Kindheit und Jugend verbrachte sie in Kempten, nach der Schulzeit verließ Deniz Hasenöhrl die Stadt. Nach 22 Jahren kehrt die international arbeitende Künstlerin nun mit ihrer Ausstellung ROOTLESS zurück – darin Fragen zu Identität, Prägungen und Individualität sowie ebenso abstrakte Malerei, die nichtrationale Sinne adressiert.

Ausstellung Deniz Hasenöhrl: Rootless Was wärst Du, wenn Du keine Nationalität, keine Religion, kein Geschlecht hättest? Wenn es kein arm oder reich, krank oder gesund, kein schön oder hässlich gäbe? Wenn Zeit, linear, wie Du sie als Mensch begreifst, nicht existieren würde?

Diese Fragen stellt die deutsch-türkische Künstlerin Deniz Hasenöhrl in Katalogtexten oder Werkbeschreibungen und setzt sich mit dem Thema Identitätssuche sowie damit verbundenen Konflikten auseinander – auch und gerade mit der Ausstellung ROOTLESS in Kempten, die Stadt ihrer Kindheit und Jugend.

Neben Collagen, einer Installation, einem Video und anderen Ausdrucksformen zeigt die vielseitige Künstlerin hier Bilder, die zum größten Teil aus der Serie SPACES stammen und trotz ihrer Abstraktheit Figuren oder Natürliches implizieren. Sie sind assoziativer Ausdruck ihrer Gefühlswelt: „Mein größter Anspruch an mich ist, das Gefühl der Authentizität während des Schaffens, die präsenten Emotionen ungefiltert und frei in verschiedene Struktur- und Farbschichten zu manifestieren und daraus eine Komposition, eine Geschichte, ein Bild meines Inneren entstehen zu lassen. Wenn ich ein Bild beginne, gibt es keinen Rahmen in Form eines Themas oder einer bereits bestehenden Vorstellung. Ich versuche gezielt, während des Malprozesses den Kopf auszuschalten und Assoziationen, Worte und Emotionen, die währenddessen präsent werden, unmittelbar auf die Leinwand zu bringen. So reift in jedem Bild nach und nach, manchmal über Tage oder Wochen, ein Farb- und Formklang zu einem visuellen, mehrdimensionalen „Ge-Bilde“, das nicht verbalisiert und erklärt werden muss, sondern ähnlich wie Musik andere, nichtrationale Sinne erreichen kann.“

Mit diesen Gemälden versucht Deniz Hasenöhrl, eine Art durchlässigen Spiegel zu konstruieren, durch den man in einen grenzen- und zeitlosen Raum gelangt, der nicht mit dem Verstand zu greifen oder zu kontrollieren ist, aber in jedem von uns existiert. Einen Raum, der im Alltag kaum Platz findet, über Prägungen definiert und von Regeln und Rollenbildern überschüttet wird, in denen es zu funktionieren gilt. Einen Raum, in dem nur der Moment und die Essenz des Seins existieren, und der alles Leben eins werden lässt.

Dr. Ingrid Gardill schrieb 2018 in der Reihe Internationale Kunst Heute: „Frei assoziativ setzt sie ihre Farbflächen Schicht für Schicht vorwiegend mit dem Spachtel. Dann trägt sie Bereiche wieder ab, um an tiefliegende Ebenen zu gelangen, während sie oft die Bildränder bewusst frei lässt. Damit erzielt sie einen Effekt, der ihre differenzierten Farbräume plastisch wirken lässt. Einige Werke zeigen Anklänge an menschliche Gesichter, Hasenöhrl markiert mit emotionalem, dabei sicher geführtem Strich die Umrisse eines Antlitzes. Die abstrakten Farbgefüge durchdringen und prägen es, gewähren ihm aber reichlich freien Spielraum. […]

So erreicht die Künstlerin ihr Publikum, das diese sensible, dabei kraftvolle und authentische Bildersprache sehr zu schätzen weiß, auf einer assoziativen, emotionalen Ebene jenseits des Alltagsbewusstseins.“

In Collagen, Perfomances und Installationen wiederum arbeitet die vielseitige, nicht auf bestimmte Technikgenres festgelegte Künstlerin vorwiegend konzeptionell: „Meine Themen sind meist eigene Grenzerfahrungen, und ich versuche gesellschaftliche Muster und Verhaltensweisen zu identifizieren, die immer wieder Menschen an Grenzen wie Isolation, Sucht und Resignation treiben. Wie stark und auf welche Weise wird ein Individuum von gesellschaftlichen und kulturellen Normen geprägt und geformt? Und im Umkehrschluss: Wie weit ist er dann noch frei“

Deniz Hasenöhrl wuchs ab ihrem fünften Lebensjahr in Kempten auf. Nach der Schule verließt sie die Stadt und kehrt nun nach 22 Jahren mit der Ausstellung ROOTLESS zurück, in der sie sich auch mit ihrer Kindheit und Jugend in Kempten auseinandersetzt. Bis vor kurzen lebte und arbeitete sie – nebst künstlerischen Ausflügen nach Istanbul und in die halbe Welt – in München und nun in Berlin. 2018 erhielt die Künstlerin den artig Publikumspreis für ihr Werk CHIMALIS ( mehr → ). Einige Bilder werden zum ersten Mal in Deutschland und einige überhaupt zum ersten Mal zu sehen sein.

Termine & Öffnungszeiten:

  • öffentliche Vernissage: Fr. 5. April 2019 um 20 Uhr, Begrüßung 20:15 Uhr
  • Öffnungszeiten bis einschließlich So. 5. Mai 2019: Dienstag von 16 bis 20 Uhr und Samstag & Sonntag von 11 bis 17 Uhr
  • Künstlergespräch mit Deniz hasenöhrl: letzter So. 5. Mai, 15 Uhr
  • Der Eintritt ist wie immer frei. So wie die Kunst.

Weitere Infos auch auf der Website der Künstlerin unter www.denizhasenoehrl.com

 
Abbildung (Ausschnitt): DREAMLAND, mixed media on wood, 80 x 85 cm, 2013

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