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DURCHAUS. Ausstellung & neue Edition der Flugschrift: 1. – 31.7.16

Durchaus 07/16Premiere für die Münchner und ein besonderer Kunstgenuss für die Allgäuer: Die Flugschrift Durchaus geht mit ihrer achten Edition „Ausflug Kaiserschmarrn“ und jeder Menge Kunst im Gepäck auf Reisen. Erstmalig wird die neue Edition nicht in einer Münchner Szenekneipe präsentiert, sondern im Kunstreich in einer Ausstellung mit Künstlern aus verschiedenen Ausgaben.

Bei der Ausstellung vom 1. bis 31. Juli 2016 in Kempten sind diese Durchaus-Künstler dabei:
• Brian Cromwell
, England
• Fabian Feichter
, Gadertal/München
Fabian Helmich
, Riedenburg/München
• Bianca Kennedy
, Athen
Vincent Kern
, München
• Analía Martínez
, München
Mike Prinz
, München
• Laura Ríos
, Madrid
• Artyshit State
, München

Fotoblog: Bilder von der Vernissage am 1. Juli 2016:

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Durchaus – achte Edition „Ausflug Kaiserschmarrn“ & Ausstellung in Kempten

Texte: Mike Prinz

Die Flugschrift Durchaus, als Bühne und freier Rahmen für Freigeister Ende 2014 in München geboren, geht auf Reisen – die Koffer vollgepackt mit Kunst: Erstmalig wird die nun achte Edition nicht in einer Münchner Szenekneipe präsentiert, sondern in einer umfangreichen Ausstellung in Kempten.

Auch hier zeigt sich die limitierte und filigran gefaltete Durchaus selbst als kleines Sammelkunstwerk zum Mitnehmen – darin und drumherum akademische wie unakademische frische Kunst von Künstlern aus verschiedenen Ausgaben. Die Werke sind experimentell, frisch, konkret, variantenreich, darunter mitunter Videos, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Gedanken und Gedichte.

Verfolgte man die Flugschrift über nun acht Editionen, so hat sich vieles von Beginn an etabliert. Eines sei hervorzuheben und aus dem Pamphlet zitiert, das Künstler zur Partizipation auffordert: „Ihr habt völlig freie Fahrt, Euer Kunstwerk so zu gestalten, wie Ihr möchtet. Das ist Teil der Philosophie. Sozusagen das Gegenteil einer Themenausstellung. Seid aufgerufen, die Flugschrift als Plattform für Neues zu nutzen. Kunstrichtungen, die Ihr neu für Euch entdeckt habt oder neue Themen, die Euch berühren, Ihr aber noch nicht in einer größeren Ausstellung zeigen möchtet, könnten in das Blatt. Lasst die Hosen runter, zeigt Ungewöhnliches. Wir sprechen auch nur die Künstler an, deren Kunst uns generell gefällt. Somit dürfen Sie, darfst Du uns gerne überraschen. Der Inhalt ist das Allerwichtigste, die Werke aller zusammen ergeben das Design.

Für die Ausstellung in Kempten hielten wir uns an das gleiche Konzept, fragten alte und suchten neue Künstler nach Ideen für diese Edition mit Ausstellung. Inhaltlich haben sich die Künstler nicht abgesprochen, es ergibt sich also wieder keine Themenausstellung und dennoch ein roter Faden, der die Werke verbindet.

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DIE KÜNSTLER

VINCENT KERN, rastlos, perfektionistisch suchend nach einer Ausdrucksweise, der Romantik nachfühlend, versteht sein Handwerk in vielfacher Weise. Egal ob Malerei, skizzenhafte Zeichnungen nahe an Notizen, Drucke oder kleinformatige Kollagen vereinen Ästhetik, Historisches und Neues. Keinesfalls darf man allein durch das Entdecken farbiger Flächen und Linien an Bisheriges denken, denn es ist so viel mehr, dass ich behaupte, dies so noch nicht gesehen zu haben. Vieles ist so unterschiedlich, dass es von mehreren Personen stammen könnte. Der Wunsch des Kunstmarktes und der Rat, bei einem Stil zu bleiben, vielleicht um Werke besser zuzuordnen, darf nicht erhört werden. Die Umsetzung verschiedener Ideen bedarf gänzlichst verschiedener Wege und Techniken.

Vincent ist ein Künstler, dessen Meinung und Darstellung der Dinge man unbedingt lauschen sollte, denn hier ist mehr zu sehen als die Summe aller Werke. Politisch, kritisch, aufzeigend, ästhetisch begeistert sein umfassendes Werk auf Leinwand als auch auf Papier. Einige Papierarbeiten entstanden in einem Gemeinschaftsprojekt mit Analia Martinez. Er ist in München geboren und lebt und arbeitet dort.
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LAURA RÍOS ist eine realistische Malerin aus Spanien, wo sie ein tiefes Verständnis klassischer Methoden und ein breites Wissen traditioneller wie moderner Maltechniken erwarb. „Zu malen ist meine Art zu versuchen, die Welt zu verstehen. Zu Malen bedeutet zu lernen und nach der Wahrheit zu suchen. Ich bin auf der Suche nach uralten Gefühlen. Die offensichtlich unbedeutenden Details der Realität, die uns umgibt, sind oft übersinnliche Dinge; diese Details sind der Schlüssel für unser Verstehen.“

Laura malt, zeichnet und radiert realistisch. Ich würde sagen mit impressionistischen Tendenzen, um einfache Landschaften in ihrer eigenen Art erstrahlen zu lassen. Einfaches Leben, Tiere, Landschaften und der Tod sind ihre Themen, gerne morbide und zerbrechlich dargestellt. Sie ist in Madrid geboren und lebt und arbeitet dort.
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FABIAN HELMICH habe ich über eine Freundin und Vermittlerin zu einer Ausstellung im Durchhaus, einem von ihm als Kunstort kuratierten Hausdurchgang in München, kennengelernt. Der suchende, pragmatische und bodenständige Charakter ist in den letzten Jahren zu einem echten Freund geworden. Inzwischen verbinden uns mehrere Kunstprojekte, und es ist noch lange kein Ende in Sicht.

Als Fotograf hat er einen besonderen Blick, für ein gutes Foto stellt er sein Ego hinten an und bewegt sich stark im politischen und sozialkritischen Kontext. Er stellt sich unsozialen, hetzenden Meinungsbildern in den Weg, zeigt auf und klärt auf. Besonders erwähnenswert ist eine Bildreihe, einem Manifest gleichend und mit ihm als Protagonisten, die dem alten, immer noch vorhandenen Männerbild süffisant entgegen tritt. Der gebürtige Riedenburger lebt und arbeitet in Riedenburg und München.
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Die Kunst von FABIAN FEICHTER habe ich in St. Ulrich im Grödnertal kennengelernt. Inmitten der traditionellen Schnitzkunst steht dort ein unglaublich andersartiger Raum für Kunst: Im Betonbau des Kunstvereins wurden Videos, Projektionen und Stills gezeigt, die mich fesselten. Sich seiner Traditionen bewusst, bewegt er sich suchend in neuen, ganz anderen Bereichen, die man nicht gleich einem Ladiner Burschen zuschreiben würde. Offensichtlicher Fokus ist die eigene Körperlichkeit. Er spielt mit viel besagten eigenen Grenzen, die manchmal überschritten werden. Dass dieses provokante Vorgehen den Betrachter er- oder abschrecken soll, glaube ich nicht. Vielmehr zielt er, wie im musischen Umfeld ganz normal, auf die Emotionen – inzwischen ohne zu schocken.

Mich beeindrucken Stills aus Bewegungsvideos, die überlagert zu geometrischen Figuren passen. Bewegungen, die an die Grenze des Machbaren gehen, aber keinesfalls akrobatisch extrem sind. Der Einsatz des eigenen Körpers, der eigenen Erfahrungen spricht für ein aktives Bewusstsein und keinesfalls für einen Selbstdarsteller. – Bewusstsein, Achtsamkeit. Wichtige Worte in dieser Zeit. Der gebürtige Südtiroler lebt und arbeitet in München.
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BRIAN CROMWELL: Von Fabian Helmich während einer Fotoreise in Paris „entdeckt“, tauschten sich beide über Fabians Verlag entlegenes, die Kunst und die Welt aus, bis eines Tages bei Fabian ein Paket mit den Worten ankam: „Ich mag alles, was Du machst und wie Du es machst. Anbei sind Zeichnungen, die Du verschenken oder für die Flugschrift Durchaus oder für irgendwas verwenden kannst. Nenne den Künstler Brian Cromwell und recherchiere bitte nicht nach mir. Ich werde Dich begleiten und mich irgendwann wieder melden.“

Brian zeichnet in besonderer Manier. Einlinien-Objekte, kindlich, linkshändig, schnell. Darf man Art Brut oder, wie andernorts bezeichnet, Outsider-Art dazu sagen? Sind wir die Insider? Wie auch immer. Es ist klar, Brian Cromwell macht das nicht erst seit gestern. Es wäre schön, wenn er das Geheimnis lüften und uns erscheinen würde.

BIANCA KENNEDY: „Formal interessieren mich vor allem Animationstechniken wie Stop-Motion, Pixilation und bewegte Handzeichnungen. Besonders das Arbeiten mit selbstgestalteten Miniaturen hat es mir angetan. Ich möchte poetisch-mysteriöse Szenerien erschaffen, die ihre Geheimnisse nach und nach preisgeben. Charakterisierungen der Protagonisten finden weniger durch deren Handlungen, als vielmehr durch Elemente in den Räumen statt. Somit übernimmt der Raum selbst eine zentrale Rolle und lässt wiederum Platz für Bilder, Gedanken und absurde Situationen.

Neben filmischen Arbeiten entstehen seit geraumer Zeit auch Zeichnungen, deren Motive vielfältig sind. Lockere Linien fangen die Essenz ein, die unter der Oberfläche der Objekte schlummert.“ Die gebürtige Leipzigerin und Wahlmünchnerin lebt und arbeitet derzeit in Athen.
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Die Spiegelsäle mit barocken Elementen waren ihre ersten Werke, über die ich ANALÍA MARTÍNEZ kennengelernt habe, und deren Serie noch nicht abgeschlossen ist. Untermalungen, deren Farbgebung gekonnt durchschimmert, erleuchten die Komposition. Trocken aufgetragene Ölfarbe in weitgehend gleichem Ton und Helligkeit zeigen die Erhabenheit solcher Räume. Trotz fehlender Detailmalerei ziehen sie den Betrachter in ihren Bann, im Gehirn komponieren sich dann die Details zusammen. In den Spiegeln spiegelt sich… – nichts, oder weiß oder sogar schwarz. Ein Farbrausch, kann man das sagen? Denn es gibt oft nur eine Hauptfarbe, die gekonnt abgestuft zum Einsatz kommt.

Auffällig ist die Darstellung von skulpturalen Figuren, Figürchen, Spielzeug und Köpfen. Krönung ist „Die kleine Sammlung“ und „Die große Sammlung“. Könnten sie, auf ein Foto gebannt, vielleicht gerade einmal mittelformatig sein, sind sie allesamt auf großen Leinwänden gemalt. Das verleiht ihnen einen imposanten Sog. Ebenso wie Vincent Kern benutzt sie verschiedene Techniken, um ihrer Kunst gerecht zu werden. Geboren in Buenos Aires lebt und arbeitet sie in München.
mehr: www.analiamartinez.de →

ARTYSHIT STATE ist Alter Ego und Pseudonym einer, oder sagen wir, eines Teils einer multiplen Künstlerpersönlichkeit und lockt zur Entlarvung.

MIKE PRINZ ist Mitbegründer und Redakteur der Durchaus, Organisator dieser Ausstellung und als Künstler kein Unbekannter in Kempten (siehe BEZIEHUNGSWEISEN II →). Der gebürtige Memminger lebt und arbeitet in München und steuert ebenfalls frische Gemälde und Skulpturen für die Kemptener Ausstellung bei.
mehr: www.mikeprinz.de →

VERNISSAGE & ÖFFNUNGSZEITEN

  • Öffentliche Vernissage der Ausstellung “und Präsentation der achten Edition “Ausflug Kaiserschmarrn” der Flugschrift Durchaus ist am Freitag, 1. Juli 2016, ab 20 Uhr (Begrüßung: 20.15 Uhr).
  • Die Ausstellung ist bis Sonntag, 31. Juli 2016 jeweils Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr und Dienstag von 16 bis 20 Uhr geöffnet.
  • Der Eintritt ist wie immer frei. Spenden sind ebenso frei+willig.
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