Essay: „Zeitzeugnisse in Kunstwerke transformieren“

Aus Anlass der artig-Gruppenausstellung ZEITGEISTER (15.11. bis 14.12.14 im kunstreich) hat artig-Künstler Krešimir Crash Vorich Gedanken zum Thema aufgeschrieben:

Zeitgeister

» Wenn ich das Wort „Zeitgeist“ höre, denke ich sofort an den Dokumentarfilm „Zeitgeist – The Movie“ von Peter Joseph, der im Jahr 2007 durch die Internetmedien, vor allem Google und YouTube, ging und ein millionenfaches Publikum abseits der Mainstream-Medien erreichte.

Die Handlung des Films versucht in drei Hauptthemen, die modernen Mythen zu dekonstruieren. Kritisiert werden die religiösen Institutionen, die Regierungen und Bankenkartelle und deren manipulativer Machtposition.

Der erste Teil des Films dekonstruiert die Jesus-Geschichte: Sie ist nur eine Wiederholung schon vorhandener Mythen des Altertums, welche diverse Autoren der damaligen Zeit aufgrund der sich in der Natur wiederholenden Vorkommnisse in gleicher oder ähnlicher Weise niederschrieben.

Die Reihe der heiligen Symbole ist gleich wie bei vormals verehrten ägyptischen und babylonischen Gottheiten (Horus, Dyonisus, Mitra oder auch Krishna): Die Geburt, die am Tag der Wintersonnenwende, dem 25. Dezember stattfindet, die zwölf Jünger, der Tod und die Wiederauferstehung, sowie eine große Zahl an astronomischen Ereignissen, die schon in Mythen vorchristlicher Zeit als besondere Feiertage festgelegt wurden: Der Oriongürtel – die Heiligen Drei Könige, das Sternbild Jungfrau – die Jungfrauengeburt, das Kreuz des Südens – die Kreuzigung u.s.w. Das Christentum ist also nur ein gnostischer Mythos, der sowohl als Machtinstrument für die Verbreitung der dogmatischen „Wahrheiten“ dient, als auch zur Ausübung der Macht in den Händen der Kirche als Waffe benutzt wird. Das ermöglicht die Kontrolle der Gesellschaft.

Im zweiten Teil des Films werden eben solche Kontrollmechanismen am Beispiel des Terroranschlags am 11. September 2001 dargestellt: Diese Betrachtungsweise offenbart die Mitplanung und Mitbeteiligung der amerikanischen Regierung mit dem Zweck, den Mythos Terrorismus aufzubauen, um so die eigenen politischen und wirtschaftlichen Ziele durch die Kriege in Nahost erreichen zu können.

Die Erweiterung dieser Thesen sowie die militärische Machtausübung wird im dritten Teil des Films behandelt: Dieser besagt, dass alle modernen Kriege von der Bankenlobby hinter dem Vorhang initiiert und geführt wurden. Eine der Hauptschuldigen ist angeblich die Federal Reserve Bank of America. Das monetäre System wird von solch mächtigen Institutionen erschaffen und reguliert, um durchschnittliche Menschen durch Geldschulden zu Arbeit und Versklavung zu verpflichten.  So kann sich auf dem Rücken des einfachen Arbeiters eine sehr kleine elitäre Gruppe bereichern.

Der rote Faden des Films zeigt, dass die Möglichkeiten und die Stärke der medialen Manipulation sehr groß sind und wir als Individuum keine Chance haben, die wahren Hintergründe des Weltgeschehens und der Weltpolitik herauszufinden. Wir können jedoch, anhand der Informationen, mit denen wir täglich über Medien in Kontakt kommen, zwischen den Zeilen lesen und uns ein eigenes Bild machen.

Und was ist dann mit solchen Bildern zu machen?

Eben das ist eine der wichtigen Aufgaben der Kunst: Diese eigenen Bilder zu nehmen und als ein Zeitzeugnis in die Form eines Kunstwerks zu transformieren.

Weil die Kunst die Kraft hat, zurückzuschlagen. Nicht im physischen oder militantem Sinne, sondern vielmehr als eine Ästhetik des Alltags, die banale zeitgenössische Themen auf eine andere Ebene transzendiert. Das Publikum nimmt die Rolle des Beobachters und Weiterverarbeiters ein, der durch seine Empfindungen und die innerliche sowie äußerliche Diskussion und Weitererzählung der gezeigten Werke und deren Geschichten für eine synergetische Weiterentwicklung in immateriellem Sinne sorgt. Und so wird die Welt zur einem besseren Pflaster für die nächsten Generationen.

Ich hoffe sehr, dass das Thema ZEITGEISTER jedem von uns ausstellenden Künstlern genügend Raum gibt, mit unseren Geistern in Dialog zu treten und unsere Beobachtungen sowie unser Inneres, das hauptsächlich von äußeren Einflüssen gesteuert wird, in eine gute Richtung treibt und wir durch das künstlerische Medium eine bemerkbare Wirkung auf die Außenwelt ausüben. Damit schließen wir den Kreis, stellen Kunstwerke in den Raum, berühren, befragen und geben zugleich metaphorisch dargelegte Impulse, um beim Betrachter eigene Antworten zu provozieren.

Die Auswirkungen der Kunst auf den Betrachter sollen neue Eindrücke, Berührungen und Emotionen hervorbringen. Damit verteidigt die Kunst ihren Stellenwert im Hier und Jetzt. «

Krešimir Crash Vorich, September 2014

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