Paula Pelz: plane, 2012, 90 x 135 cm, Öl auf Leinwand auf Holz

Stell Dir vor, Du bist Autist und magst nur wenig Menschen um dich herum. Aber Du malst täglich ein Bild, derzeit täglich ein Portrait – von einem Menschen. Und Du wirst immer schneller dabei, willst und musst zu Lebzeiten 50.000 Bilder malen, die zudem allesamt gut sind.

Das iJan-Hendrik Pelz präsentiert Paula Pelz 2st die Geschichte von Paula Pelz aus Stuttgart. Sie malt, immer weiter, und ihr Bruder Jan-Hendrik Pelz, ebenfalls Künstler sowie Meisterschüler der ABK Stuttgart, hat die nie endende Aufgabe übernommen, diese Flut zu katalogisieren und auszustellen. Ob der Menge wundert es nicht, dass zwei Ausstellungen von Paula Pelz gleichzeitig laufen: Eine von 31. Juli bis 2. November in der Galerie im Prediger in Schwäbisch Gmünd, und eine nun im Kunstreich Kempten.

Pelz malt derzeit ausschließlich Portraits; andere Motiv-Auseinandersetzung gab es bereits und werden wieder folgen. Die 365 Bilder der Portrait-Serie aus 2019 sind in Schwäbisch Gmünd zu sehen, und aus dem großen Fundus vor 2019 schöpft die Ausstellung in Kempten. Gerade auch durch den Besuch beider Ausstellungen zeigt sich: Paula Pelz‘ Stil ändert sich, sie experimentiert, und wo es hingeht, weiß sie selber noch nicht. „Dabei sehe ich aber jede Phase als eigenständige Zeit, also nicht im Sinne einer Qualitäts-Entwicklung, sondern einfach als Phase, in der Paula eben so-und-so gemalt hat, dann wieder so-und-so“, sagt Ihr Bruder.

Blickt man wie bei Filmen hinter die Kulissen und schaut sich am Drehort um, merkt man: Käpt‘n Ahab und James Bond existieren nicht und existieren dennoch – so wie Paula Pelz. Sie ist Projekt wie Pro­ji­zie­rung und Alter Ego von Jan-Hendrik Pelz. Er hat ihre Rolle übernommen, ist ihr Darsteller und der Erzähler ihres Schaffens. Paula ist ein künstlerisches Experiment, an dem er seit 15 Jahren arbeitet. Ihm geht es ums Malen selbst, aber mit ebenso viel Gewicht um einen konzeptuellen Rahmen: Wer bin ich? Bin ich Maler oder wann welcher Maler? In welcher Rolle, auf welcher Bühne male ich wessen Bilder?

In der Rolle von Paula entstanden bisher knapp 4.000 Werke – und das arbeitsreiche Spiel mit den Mythen der Moderne bzw. der Kunst: Picasso zum Beispiel soll 50.000 Werke hinterlassen haben. „Zum einen besteht kein vollständiges Werksverzeichnis; darin werden immer wieder neue ‚Sensationsfunde‘ aufgenommen. Andererseits ist klar, dass hier viele Fälschungen kursieren, Experten schätzen diese auf bis zu 40 %. Wenn man Picassos Lebenszeit mit der Summe von 50.000 Werken durchrechnet, wäre das eine sportliche Leistung. Ein Mythos, aber eben einer, den wir alle ja irgendwie mögen. Und ich habe mir konzeptuell zur Aufgabe gemacht, diesen Mythos zu untersuchen. Paula besteht nur deshalb, da ich in ihr eine solche Mythos-Künstlerin performen will“, sagt der malende Schauspieler bzw. schauspielende Maler Jan-Hendrik Pelz.

„50.000 Werke, allesamt gut – ein Wahnsinn, möglicherweise absolut nicht durchführbar, aber spannend: Wie werden sie aussehen? Wird die Qualität unter dem Fokus auf Quantität leiden, oder entwickelt sich dadurch erst recht eine eigene Bildsprache? Ist Scheitern vorprogrammiert?“ Pelz hat alles durchgeplant: Mitte 2021 will er die 5000-Marke erreichen und in 15 Jahren durch sein, so zumindest der Plan. Man weiß ja nie, wenn man Jan-Hendrik Pelz wenigstens etwas kennt…

Termine & Öffnungszeiten:

  • öffentliche Vernissage: Fr. 21. August 2020 um 20 Uhr, Begrüßung 20:15 Uhr (im Freien vor der Galerie in der Schützenstraße; danach ist die Ausstellung geöffnet. Maximal zulässig sind – mit Maske und Abstand – 28 Besucher gleichzeitig.)
  • Öffnungszeiten bis einschließlich So. 20. September 2020: Dienstag von 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr
  • Künstlergespräch (wie immer): letzter So. 21. September 2020, 16 – 17 Uhr: noch unklar
  • Der Eintritt ist frei.
  • Masken- und Abstandspflicht: Zugang wie überall üblich nur mit Mundnasenmaske (oder Schal) und bei Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands von mindestens 1,5 Metern.
 
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